Teilen
Senden
Twittern
57

Warum die Work-Life-Balance ein Mythos ist und wie du trotzdem noch ein Leben hast

Alle reden von der Work-Life-Balance und niemand kriegt sie wirklich hin. Was wirklich hilft, um ausgeglichen zu sein.

Anne-Sophie Keller
Montag, 4. März 2019 / 17:58 Uhr

Zuerst die gute Nachricht: Grundsätzlich arbeiten wir so wenig wie noch nie zuvor! Noch vor hundert Jahren rackerten sich unsere Urgrosseltern von früh bis spät auf dem Feld oder in der Fabrik ab. Selbstverwirklichung war nichts, was sich die Mittelschicht leisten konnte. Das ist heute anders. Nach neun Stunden ist der Arbeitstag zu Ende und lässt uns noch stundenweise Zeit, um sich zu entspannen.

Warum sind wir denn doch so oft so nah an der Belastungsgrenze? Ein Grundproblem ist die Tatsache, dass sich die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr auflöst. Wir tragen das Büro auf dem Handy mit herum, nehmen es mit in die Ferien und nach Hause ins Bett. Viele Arbeitgeber erwarten die ständige Erreichbarkeit; viele Arbeitnehmer fühlen sich unersetzbar und spielen da mit. Das Büro braucht mich! Ich muss das noch beantworten! Beides ist selten wahr.

Falls wir doch mal tatsächliche Freizeit haben, bleibt der Kopf im Büro. Wir denken schon am Vorabend an die Präsentation von morgen, machen uns beim Znacht immer noch Gedanken übers mühsame Meeting vom Nachmittag und kriegen am Sonntag den Blues, weil wir uns gedanklich schon vor dem ätzenden Montagmorgen fürchten.

Newsletter abonnieren

Das Beste aus der izzy-Redaktion – direkt in dein Postfach.

Vielen Dank! ♥ Du hörst bald von uns.

Du hast dich bereits registriert! ♥ Ab Januar erhältst du unseren Newsletter.

Oh oh.., Versuche es erneut!

Die Lösung: Get a life. Was oftmals als Beleidigung benutzt wird, wenn mal wieder jemand auf Social Media nervt, hat im Kern etwas Wahres. Bleibt nur noch die Frage, wie man sich denn so ein Leben aneignet. Was meiner Meinung nach kein Leben ist, sind neun Stunden vor dem Bürobildschirm und dann zuhause vier Stunden vor der Glotze.

Denn wenn das sogenannte Leben nur aus passivem Konsum besteht, dann muss man sich nicht wundern, wenn man sich irgendwie unausgeglichen fühlt. Die Lösung: Dinge tun, die einen nähren. Zwischenmenschliche Beziehungen pflegen, seiner Tätigkeit einen Sinn geben, Instrumente spielen, sich bewegen, Kultur und Natur geniessen, sich ein schönes Hobby suchen, sich weiterbilden oder einfach mal ziellos Musse geniessen, statt im Gym schon wieder Leistung zu erbringen.

Die optimale Balance wäre grundsätzlich acht Stunden leben, acht Stunden schlafen und acht Stunden bügläbügläbüglä, wie die Berner Rap-Kombo S.O.S. lamentiert. Aber die Krux der Work-Life-Balance liegt schon in ihrem Begriff, der impliziert, dass Arbeit nichts mit leben zu tun hat und der puren Existenz im Weg steht.

Aber Arbeit kann so viel Leben beinhalten! Genauso wie die Arbeit sich in die Freizeit schleichen kann, kann sich das Leben auch in die Arbeit schleichen. Indem man sich mal mit seinen Mitarbeitern auseinandersetzt und vielleicht doch mal für ein Bier bleibt, statt gleich nach Hause zu rennen. Indem man anerkennt, dass man auch teilzeit arbeiten kann, weil die gewonnene Zeit die finanziellen Einbusse allemal wert ist.

Indem man mittags die beste Freundin für einen Lunch und ein Kurz-Update trifft. Indem man eine halbe Stunde früher aufsteht und sich auf dem Arbeitsweg ein bisschen Zeit für sich gönnt. Und ja: Indem man sich einen Job sucht, der einem das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anzustellen. Denn wenn dich dein Job so fertig macht, dann solltest du dir vielleicht mal überlegen, ob es der richtige für dich ist.

avatar
Anne-Sophie Keller

Krawalle & Liebe

Wir können auch Freunde sein!

Wir können auch Freunde sein!

That's it. Danke, dass du hier bist ♥