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Warum wir mehr Werbung mit knutschenden Schwulen brauchen!

Der niederländische Anzugshersteller Suitsupply inszeniert seine Frühling/Sommer-Kollektion 2018 mit sich küssenden Männermodels – und die homophobe Welt rastet völlig aus. Bitte noch mehr solcher Kampagnen. Weil sich die Gesellschaft eben auch mit solchen Bildern sensibilisieren lassen muss.

Silvia Princigalli
Donnerstag, 22. Februar 2018 / 18:01 Uhr

In einer homophoben Welt tragen nur heterosexuelle Männer Anzüge. Vielleicht sogar von der Modemarke Suitsupply. Frauen servieren dabei einer vierköpfigen Familie Pasta von Barilla – das Mädchen am Tisch trägt ein pinkfarbenes Kleid, ihr Bruder einen hellblauen Pullover. In einer homophoben Welt zeigt ein Anzugshersteller seine neueste Männerkollektion nicht an zwei homosexuellen Models, die sowohl auf den Kampagnenbildern, sowie im Werbespot leidenschaftlich rumknutschen.

Genau das hat Suitsupply jedoch getan. In seiner neuen Frühling/Sommerkampagne 2018 zelebriert das niederländische Modelabel die schwule Liebe. Seither stürmt es deshalb auf den Social-Media-Kanälen des Brands. Besonders auf dem Instagramaccount des Labels sind Parolen zu lesen wie: «Wegen dieser Kampagne sofort entfolgen!» (@diegosuarez__), «Eklig» (@67chevysunburn) oder «Ich werde keine Anzüge mehr bei euch kaufen #RespectMyDollar (@1okun) und «WTF? Suitsupply ihr armen Holländer? Ich dachte, ihr wärt ein internationales Unternehmen. Viel Glück dabei Follower zu verlieren» (@alfamoda).

Obschon es nach wenigen Stunden Kritik hagelte, liess der Brand den homophoben Shitstorm über sich ergehen. CEO und Founder, Fokke de Jong äusserte sich in einer Mitteilung: «Eine Kampagne, welche die Anziehung zwischen zwei Männern zeigt, war schon lange fällig und ist für unsere Marke besonders relevant. Und ja, wir denken schon, dass es ebenso Potential für einen negativen Reaktionen hat. Ländern, in welchen wir eine signifikante Präsenz haben, sind besonders bekannt für ihre kontroverse Standpunkte». Die Marketingverantwortlichen blieben standhaft, liessen die Botschaft stehen, nahmen auf @suitsupply seit dem Posting der letzten drei Bildern den Verlust von rund 12.000 Followern (ihrer über 350.000 Follower) in Kauf. Alles richtig gemacht! Die Community bestraft zur Zeit die unangebrachten Kommentatoren nämlich selbst, und das so richtig: Jeder homophobe Kommentar wird gleich Dutzendfach zurechtgewiesen und mit LGBT+-Emojis kommentiert. Das System reguliert sich selbst! Zum Glück! Der beste Kommentar: «Es macht so viel Spass, die Profile all dieser homophoben Menschen abzuchecken;)» (@the realinterioratorIt’s).

Es ist nicht das erste Mal, dass Suitsupply mit den von Carli Hermes abgelichteten sexuell-aufgeladenen Fotografien und Kampagnen auf kontrovers debattierte Themen und damit auf sich aufmerksam macht. Bereits im Herbst inszenierte das Unternehmen die Lancierung ihrer neuen Frauen-Anzugslinie Suistudio mit Bildern, die mit dominanten Frauenfiguren im Anzug und nackten Männern untypische Werbeszenen zeigen (izzy berichtete auf Instagram).

Weshalb es wichtig ist

Suitsupply ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren greift die Modeszene mehr denn je Problematiken auf und setzt diese auf ihre Agenda. Themen wie Feminismus, Gender- und Schönheitsnormen werden Laufstegen, mit Kollektionen und Kampagnen für die Sensibilisierung der Gesellschaft massentauglich inszeniert. Chanel-Modemacher Karl Lagerfeld beispielsweise liess 2014 seine Models mit feministischen Protestplakaten an der Fashion Week Paris marschieren, das H&M-Schwesterlabel & Other Stories zeigte seine Frühling/Sommer-Kollektion 2015 an Transmenschen, Winnie Harlow steigt trotz ihrer Hauterkrankung Vitiligo zu einem der weltbekanntesten Models auf.

Warum diese ganze Inszenierung? – Weil sie wichtig ist! Solange es Menschen gibt, die glauben, Anzüge sollten nur mit heterosexuellen Menschen inszeniert werden, braucht es solche Kampagnen. Die Modewelt ist der Ort, wo Kunst auf Massenkonsum trifft, die politische Agenda kann hier wie nirgends anders auch den Kleinbürger erreichen. Denn Kleider tragen wir alle. Und zu allen gehören eben auch Homosexuelle oder Transmenschen. Menschen, die ebenso verliebt im Alltag auf der Strasse anzutreffen sind. Zwei Männer, die sich leidenschaftlich küssen und sich deshalb nicht verstecken müssen, weil sie genauso sind, wie du und ich.

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Silvia Princigalli

Schreibmaschine & Lametta

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