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Spiel mir das Lied vom Sonntagsblues

Dieses sentimentale Gefühl am Ende der Woche, irgendwas zwischen Leere und Anspannung: Sonntagabend ist nichts, worauf man sich freuen kann.

Anne-Sophie Keller
Dienstag, 16. Oktober 2018 / 15:30 Uhr

Er schleicht sich meistens so um 17 Uhr am letzten Tag der Woche bei mir ein. Nun aber, wo’s draussen so schnell dunkel wird, klopft er manchmal schon nach dem Mittag an meine Schlafzimmertüre: der Sonntagsblues. Je kälter es wird, desto erbarmungsloser kriecht er über dich hinüber.

Der Sonntagsblues ist das, was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr weiss, was man tun soll. Wenn der Kater auskuriert und die Wohnung geputzt ist. Wenn das Treffen mit Freunden, der Kinobesuch oder der Tag im Schnee passé sind. Diese seltenen Momente, in denen wir plötzlich nicht mehr wissen, was wir mit uns anfangen sollen. Wenn das Wochenende zwar noch nicht vorbei ist, der Kopf aber schon mitten im Montagsstress steckt. Neulich erzählte mir einer, er würde den Sonntag so fürchten, dass es ihm schon den Samstag versaue. Weekend fürd Chatz, gäu?

Wir sind ständig auf Trab; Abschalten ist in Zeiten der totalen Vernetzung unmöglich geworden. Musse sind wir uns nicht mehr gewöhnt. Schliesslich könnte man ja immer noch etwas machen. Erste Weihnachtsgeschenke einpacken oder den Siphon leeren zum Beispiel. Wir chillen ohne Ende. Aber wir schalten nicht ab.

Und dann irgendwann machen sich diese Leere und das schlechte Gewissen breit. Faulenzen statt produktiv sein – das passt doch nicht zu mir. Habe ich wirklich genug soziale Aktivitäten unternommen, um meine Work-Life-Balance der vergangenen Woche wiederherzustellen? Sieht mein Insta-Account immerhin so aus, als hätte ich Spass gehabt?

Wie geil das Weekend zuvor war, spielt aber nicht wirklich eine Rolle. Wenns geil war, ist es übel, dass es vorbei ist, wenns nicht geil war, ist es übel weils nicht geil war. Klingt nach Ersteweltproblem? Ist es auch. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sollen 80 Prozent einer Befragung angegeben haben, dass für sie die letzten Stunden der Woche die schlimmsten seien.

Am Ende des Tages – oder besser gesagt der Woche – geht’s beim Sonntagsblues vor allem um eines: Wenn man nicht mehr abgelenkt ist, kommen die Gedanken hoch, die man sonst so leicht verdrängen kann. Bin ich zufrieden mit meinem Job? Sollte ich doch wieder zum elterlichen Sonntagsessen? Wie geht’s mir eigentlich gerade?

Da muss man durch. Besser als ein Arbeitstag ist Selbstreflektion allemal. Auch wenn sie manchmal weh tut. Aber sie ist wie der Besuche beim Zahnarzt: Manchmal muss es sein.

(unten weiterlesen)

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Wenn du darauf mal grad keinen Bock hast, dann hilft Umplanen. Organisier dir Treffen für den Sonntagabend. Pizza und ein guter Film mit Freunden. Ein Glas Wein mit der BFF. Zusammen rumhängen vor der Glotze. Spieleabend. Das muss nichts Weltbewegendes sein. Aber es ist was, worauf du dich freuen kannst. Und in netter Gesellschaft fährst du einfacher runter, um für die neue Woche wieder ready zu sein.

Verschieb den Familienbesuch auf Samstag, dann gehört der Rest des Wochenendes noch dir. Erledige deine To-Dos und diese nervtötende Präsentation am Samstagmorgen, weil dir sonst das Prokrastinieren unterbewusst das ganze Weekend auf dem Magen liegen wird.

Und vergiss nie: Du bist echt nicht alleine mit diesem Gefühl. Also logg dich mal von Facebook aus, wos eh immer aussieht als hätten alle anderen ohne dich viel mehr Spass, und sei dir darüber im Klaren, dass wir alle uns mal einsam fühlen. Das ist vielleicht das, was uns am stärksten verbindet. So gesehen sieht die Welt schon ein bisschen freundlicher aus. Sogar am Sonntagabend.

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Anne-Sophie Keller

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