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Singlesein ist keine Krankheit

Wenn du nach unglaublichen sieben Jahren wieder in einer Beziehung bist, kommen eine Menge schräger Kommentare von einer Menge schräger Leute mit einer Menge schräger Vorurteile.

Anne-Sophie Keller
Dienstag, 7. August 2018 / 14:19 Uhr

Ich bin nach sieben Jahren wieder in einer Beziehung und werde behandelt, als hätte ich eine Krankheit überstanden. Oder als wäre ich nach einem wüsten Sturm endlich in den sicheren Hafen gesegelt. Eine Beziehung auf die Beine zu kriegen wird als Errungenschaft angesehen. Und die Arbeit dazu ist emotionale Arbeit und darum Frauenarbeit.

Die Partnersuche scheint für Frauen laut Ratgeber-«Literatur» irgendwas zwischen Astrophysik und Lottogewinn zu sein: Uns wird geraten, sich rar zu machen. Aber nicht zu rar, sonst ist man ja die Bitch, die dich in die Friendzone verbannt hat. Sexy sein, aber bitte nicht zu billig. Anständig sein, damit man dich der Mama vorstellen kann, aber bitte trotzdem kinky. Ständig da sein, aber nicht zu fest, weil sonst ist man ja needy. Sich ins Zeug legen, aber bitte nicht so verzweifelt. Viel Glück, dabei dich selbst zu bleiben! Die Ratgeber für Männer? Dranbleiben, irgendwann lenkt sie dann schon ein, wenns ihr zu blöd wird.

Männliche Singles sind attraktiv. Sie gelten als unabhängige Trophäen, die noch erobert werden müssen. Wenn Frauen single sind, denkt man an verzweifelte Katzenfrauen, an Bridget Jones, an alte Jungfern. Mit der muss was nicht stimmen. George Clooney war lange der heisse Silberfuchs, den keine Frau kriegen konnte. Jennifer Aniston die Ewigverlassene, die niemand mehr haben wollte. Ein Bild, das in so ziemlich jeder Romantic Comedy dieser Welt weitergetragen wird. Ohne Beziehung gibts kein Happy End. Auch nicht beim Film «How to be Single».

Meine Eltern sind, was Beziehungen anbetrifft, die gechilltesten Menschen der Welt. Aber in meinem Umfeld höre ich ständig von gut gemeinten Ratschlägen für die Single-Töchter. Von Familienfesten mit unangenehmen Fragen bis hin zu mühsamen Verwandten. Grenzen setzen und respektieren war noch nie etwas, das in Familien gross kultiviert wurde.

Und ja, auch die Medien leisten einen denkbar ungünstigen Beitrag zur Einseitigkeit der Single-Debatte. Frauen scheitern, wenn ihre Beziehungen zerbrechen. Als trügen sie die Schuld daran, wenn zwei sich auseinanderleben. Besonders heftig wirds, je älter die Frauen sind. Denn ginge es nach den Medien, haben Frauen noch immer ein Ablaufdatum. Stern TV strahlte erst letzten Mittwoch einen Beitrag aus, in dem Frauen von der Angst, alleine zu sein, erzählten. Das Fazit? Such dir nen Mann, dann bist du glücklich. Woher diese Angst stammt, ist klar: Wenn dir ein Leben lang eingebläut wird, dass du alleine nicht genug bist, dass eine Partnerschaft Sicherheit bedeutet und dass alleine = einsam, kann das nur schwierig werden.

Dein Prinz wird dann schon kommen und dich retten, pflichten sich die Kolleginnen über einer Runde Cüpli bei. Ich hatte die wichtigsten Jahre meines Lebens für mich selbst und meine Roaring Twenties waren die Zeit meines Lebens. Ja, sie wären manchmal einfacher gewesen mit einem Partner-in-crime an meiner Seite. Mit einer Konstante, die öfter mal fragt, wie der Tag war. Aber diese Zeit wäre mit einem Freund nicht halb so aufregend, lehrreich, herzzerreissend, hart, verwirrend, intensiv, abenteuerlich und letzten Endes wunderschön gewesen.

Denn obschon man alle grossartigen Sachen dieser Welt auch zu zweit machen kann, ist es ein Fakt, dass man sich selbst ein ganz kleines Stückchen zurückstellen muss, wenn man wieder was Ernsthaftes will. Für das «uns» muss ein kleines bisschen «du» und «ich» investiert werden.

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