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Schneesport ist die Hölle

Dichtestress, unbequeme Schuhe, Pistenrowdys und Après-Ski: eine Abrechnung mit der heiligsten aller Schweizer Freizeitbeschäftigungen.

Anne-Sophie Keller
Donnerstag, 3. Januar 2019 / 14:04 Uhr

Majestätische Berge aus Puderzucker, azurblauer Himmel, strahlende Sonne, frische Bergluft und eine Dosis Heimatstolz. Eine entspannte Zeit weitab vom urbanen Stress mit Spass, Bewegung, lockerer Geselligkeit, blablabla. Wenn es um Schneesport geht, wird einem in der Schweiz das Shangri-La verkauft. Doch niemand spricht über die Opfer, die man dafür erbringen muss.

Über dieses Geräusch, wenn man das Snowboard in die Gondeli-Halterung steckt und sich das elende Teil immer so verhakt. Über die Panik, dass man es nicht rechtzeitig schafft, sich vom Bügellift zu lösen. Über das Gefühl, wenn einem die Ohren ständig vom Druck zugehen und sich unter der kratzenden Wollmütze plötzlich taub anfühlen.

Beim Schneesport halten sich Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis. Ständig musst du dran denken, bloss nicht die Brille, den Helm, die Stöcke, die Handschuhe oder die eigenen Kinder liegen zu lassen. Du stehst morgens in aller Herrgottsfrühe auf und schmierst dir das Gesicht mit einer Tube Sonnencrème fettig, bevor du dich zusammen mit einer ganzen Völkerwanderung in einen Zug oder in ein überladenes Postauto zwängst, wo dir irgendein Vollidiot garantiert seine Skis mitten in die Fresse haut. Nein, der Berg ist kein Ort für uns zarte Unterländer.

Oben am Berg angekommen, verbringst du deine Zeit in Kleidung, in der du nicht mehr atmen kannst, und in Schuhen, die dich ständig zu diesem bescheuerten Gangster-Gang zwingen. Über dir fliegt die Rega den zweiten Pechvogel ins Spital, weil irgendein rasender Psycho mal wieder nicht bremsen konnte. Am Abend stichst du dir die Blasen an der Ferse auf und hast einen solchen Muskelkater, dass du dich eine Woche lang wie ein Rentner die Treppen hochkämpfen musst.

Skiferien sind zudem nicht nur wahnsinnig bünzlig, sondern auch was für Bonzen. Wenn du noch Ausrüstung mieten musst, kostet dich das zusammen mit dem Ticket locker mal 150 Franken pro Nase. Oben am Berg gibts in nem von holländischen Gastarbeitern betriebenen Alphütten-Verschnitt fettige Älplermagronen für 25 Franken. Und falls du noch ne Hotelnacht anhängen willst, kostet dich ein solches Wochenende bald mal 400 Franken.

(unten weiterlesen)

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Und hör mir auf mit Après-Ski. Ich könnte mir im Leben nie genug klebrigen Glühwein oder Holdrio (what even is this shit) hinter die Binde leeren, um auch nur ansatzweise auszuhalten, was dort abgeht. Man sitzt sich auf einem splitterbefallenen Holzbänkli den Hintern nass und muss das Schlimmste, was die Musik der Neuzeit hervorgebracht hat, über sich ergehen lassen.

DJ Ötzi lebt dort bis in die Unendlichkeit weiter und johlende Jungs mit verbranntem Gesicht machen für die Girls im rosa «Pistenhäsli»-Shirt den Balztanz. Man möchte sich unverzüglich in eine Lawine stürzen, um dem Ganzen ein schnelles Ende zu bereiten.

Nichtsdestotrotz gebe ich mir einmal im Jahr die volle Dröhnung Pistenwahnsinn. Nicht aus latentem Masochismus. Sondern weil das Gefühl am Ende des Tages - wenn man die schmerzenden Schuhe auszieht und endlich unter der Dusche steht - das schönste Gefühl der Welt ist.

Drum geht doch Skifahren wenns euch glücklich macht. Ich bleib hier unten und verarzte euch dann. <3

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Anne-Sophie Keller

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