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Ode an die Blockierfunktion

Im echten Leben kann man Menschen einfach ausweichen - nicht aber online. Wenn dich Leute ungefragt mit Informationen zumüllen, musst du dir ab und zu die Blockierfunktion gönnen.

Anne-Sophie Keller
Freitag, 13. April 2018 / 15:17 Uhr

Flucht ist zwecklos. Telefonnummern werden heute achtlos weitergegeben, auf LinkedIn gibts mittlerweile mehr schräge Anfragen als Nützliches, auf Facebook terrorisieren dich die Neo-Ernährungsberater, die Callcenter klingeln Sturm, auf WhatsApp kursiert der gazillionste Kettenbrief, auf Twitter trollen die Trolle in den DMs rum und nervige Clubveranstalter schicken dir die Fakten zur nächsten Sause als SMS. Als SMS! What fucking year is it.

Grenzen zu setzen ist 2018 schier unmöglich. Doch niemand hat ein Recht auf Einzug in dein Leben. Und wenn du das mal realisiert hast, kriegst du hier einen heissen Tipp: Die Blockierfunktion ist dein neuer bester Freund.

Befremdend ist es jeweils, wie Blockierte reagieren. Sie fühlen sich angegriffen und sind total entsetzt. Oder sie drehen stalker-mässig durch, wenn man ihre Follower-Anfrage auf Instagram ablehnt. Als hätten sie irgendein Anrecht darauf, deine Taten nachvollziehen zu müssen. Auch wenns hart ist: Wenn man allen Menschen, die einen kontaktieren, erklären müsste, warums grad nicht passt, dann wäre das schon fast eine Vollzeitbeschäftigung. Die Grenzen eines Menschen müssen von anderen nicht verstanden, sondern respektiert und geachtet werden.

Ich habe vor einer Zeit all meine Arbeitskollegen, die ausnahmslos sehr herzige Menschen sind, aus Instagram gekickt. Weil ich eine Grenze ziehen wollte zwischen Beruflichem und dem, was ich privat mache. Und weil ich finde, dass die Menschen, mit denen ein professioneller Umgang gewünscht ist, nicht wissen müssen (oder wollen), was grad in meinem Seelenleben abgeht.

(unten weiterlesen)

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Das haben anfangs nicht alle nachvollziehen können. Und das ist auch okay. Weil, ganz ehrlich, ich selbst bin jeweils übelst butthurt, wenn mich jemand entfreundet. Ich glaube, wir definieren uns halt noch viel zu fest über digitale Beziehungen. Immerhin ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit evolutionär bedingt stark in uns verankert. Früher wurdest du noch von wilden Tieren gefressen, wenn dich deine Herde ausgestossen hat. Nicht cool.

Apropos Evolution: Vor 100 Jahren hätte man wohl einfach keinen Boten mehr empfangen. Oder man hätte Briefe ungelesen in den Müll geworfen. Blockieren halte ich also nicht für einen Auswuchs unserer achso schlimmen, vermeintlich bindungs- und beziehungsunfähigen Generation.

Nach einer Trennung wäre alles andere als der totale mediale Entzug übrigens der reine Wahnsinn. Drum: Alle Nachrichten nochmals durchlesen, dir die Augen ausheulen, schlafen, aufwachen, Nachrichten löschen, Nummer blockieren, gemeinsames Lied aus der Playlist löschen, dir den Schmerz mittels Tinder wegvögeln und dir danach schleunigst ein bisschen Space zum Heilen und Verarbeiten geben.

Wenn du zu den 99 Prozent gehörst, die das nicht hinkriegen, dann solltest du ihn oder sie zumindest mal entfreunden. Ansonsten weckt jeder Post irgendwelche schmerzhaften Erinnerungen. Und nein, du wirst nicht «Since You’ve Been Gone» von Kelly Clarkson auf Facebook posten, ok?

Es gibt aber auch Menschen, die man besser nicht blockiert. Auch wenn sie manchmal nerven. Das gilt zum Beispiel für deine Mama. Diese Frau hat dir dein Leben geschenkt und die ersten Jahre deines Lebens damit verbracht, zu schauen, dass du dich nicht selber umbringst. Das muss ein paar mühsame Nachrichten wert sein.

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Anne-Sophie Keller

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