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Gönn dir zum Sommer einen Ranzen

Der Sommer ist da und das Rennen um den perfekten Bikini-Beach-Body eröffnet. In Scharen pilgern sie ins Fitnessstudio, stopfen sich mit Grünzeug voll und posten ihren Halbmarathon auf Facebook. Genug davon.

Anne-Sophie Keller
Freitag, 11. Mai 2018 / 18:01 Uhr

«Erste Phase beendet! Mit minus 2.6 kg bin ich wirklich happy, allerdings muss ich schon sagen, dass mir das nicht so leicht fällt. Gerade das Frühstück finde ich schlimm, ich mag keinen Quark.» Solchen Müll lese ich momentan täglich auf Facebook.

Auf der Plattform werde ich grad regelrecht bombardiert mit Werbungen für Diät-Shakes, Wellness-Kuren, Säfte-Wochen und weitere unheimliche Wortkombinationen. Der Trend um Superfood hat in meiner urbanen Bubble schon fast sektiererische Züge angenommen.

Und wie sie ins Fitnessstudio rennen! Mit muskelbetonenden Shirts, überteuerten Wasserflaschen und irgendwelchen lustig bedruckten Yogahosen. Sie reden nur noch von Crossfit, von Squats, vom «Pumpen». Ihre Trainingsresultate posten sie stolz auf Facebook. «Ich bin heute zehn Kilometer gerannt! Fresst das, ihr Verlierer!» Ich fühle mich, als wäre ich in einer Folge Jersey Shore gefangen. #GymTanLaundry

Blättert man am Kiosk durch die Frauenmagazine, ist das Credo ganz klar: Nur mit dem perfekten Bikini-Beach-Body wirst du diesen Sommer wirklich glücklich! In den Heftli gibts dann die volle Ladung Salat-Rezepte, enganliegende Sommerkleider, Werbung für Cellulite-Creme, die neuesten Diät-Tipps und die effektivsten Fitnessmethoden.

Man will mir meinen Last-Minute-Bikini-Beach-Body mit einer Vehemenz verkaufen, als würde ich sterben, falls ich es bis im Juli nicht auf Grösse 36 schaffe. Last Minute! Ein Wettlauf, an dem ich nicht teilnehmen will, gegen eine imaginäre Zeit, die ich nicht festgelegt habe.

Seit jeher trichtert uns die Werbung ein, dass wir nicht schön und jung und schlank genug sind. Dass wir einfach dieses eine Produkt, dieses Treatment oder diesen Kurs brauchen. Dass wir glücklich sein können, wenn wir an uns selbst arbeiten. Selbstoptimierung bis zur Selbstentfremdung.

Während früher vor allem Frauen von diesem Brainwash betroffen waren, hat der Körperkult längst auch die Jungs erreicht. Beauty-Salons für Männer spriessen wie Pilze aus dem Boden, auf Tinder finden sich haufenweise Sixpack-Bilder und der Dadbod-Trend war so schnell wieder vorbei, wie er gekommen ist.

(unten weiterlesen)

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Das Problem ist: Den idealen Körper gibt es nicht. Nicht mal Models sehen in echt wie Models aus. Und selbst die vermeintlich perfektesten Menschen sind mit ihren Körpern immer noch unzufrieden. Dieses ewige Streben kann nicht glücklich machen.

Was aber garantiert glücklich macht? Das Brutzeln einer Bratwurst auf dem Grill. Soft Ice, das wie ein kleines Wölkchen aus Zucker auf deiner Zunge vergeht. Der Klang der Eiswürfel im fruchtigen Sommergetränk. Das Zischen einer geöffneten Bierflasche. Der Anblick von schmelzendem Grillkäse. Total Porno.

Du sorgst dich um das eine Fettröllchen, das dabei entstehen könnte? Nur du sorgst dich um das eine Fettröllchen, das dabei entstehen könnte.

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Anne-Sophie Keller

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