Teilen
Senden
Twittern
64

Freunde zu bleiben ist überbewertet

Nach einer Trennung braucht man Abstand statt gemeinsame Partynächte. Trotzdem wechseln viele fliegend von Beziehung zu Freundschaft. Warum das aufhören muss.

Emma-Louise Steiner
Dienstag, 27. November 2018 / 14:06 Uhr

Ein bombensicheres Erfolgsrezept für das Überleben einer Trennung besteht aus ganz viel Glace, einem Netflix-Marathon, und einer BFF zum über den Ex herziehen. Hinzu kommt ein komplettes Kontaktverbot und am besten auch gleich ein Social-Media-Entzug.

In meinem Umfeld beobachte ich stattdessen Frischgetrennte, die nach zwei Jahren Beziehung plötzlich einen auf beste Freunde machen. «Die haben sich halt entliebt», meinst du? Nein, so simpel ist es eben meistens nicht.

Anfang Zwanzig hat man noch keine Ahnung von der Liebe. Wir flirten, tindern, und versuchen, uns in der Dating-Welt zurechtzufinden. Wir freunden uns an und verlieben uns plötzlich; kommen zusammen und trennen uns dann doch wieder.

Newsletter abonnieren

Das Beste aus der izzy-Redaktion – direkt in dein Postfach.

Vielen Dank! ♥ Du hörst bald von uns.

Du hast dich bereits registriert! ♥ Ab Januar erhältst du unseren Newsletter.

Oh oh.., Versuche es erneut!

In dem ganzen Trubel können wir kaum vermeiden, dass wir uns mal rücksichtslos verhalten und einander verletzen. Manchmal muss sogar eine Beziehung enden, obwohl noch Gefühle da sind. Aber nur weil man sich trennt, lösen sich diese Gefühle nicht einfach in Luft auf. Wie soll das denn auch passieren können, wenn die Ex weiterhin im Leben herumgeistert?

Als Schlussmacher*in hat man immerhin einen Vorsprung. Irgendetwas hat einen dazu bewegt, über die Beziehung nachzudenken, und zu realisieren, dass es nicht mehr passt. Klar kann ich verstehen, dass man die Person, die man in- und auswendig kennengelernt und eine Zeit lang geliebt hat, nicht aus dem Leben verbannen möchte. Aber sind wir mal ehrlich: Hast du gerade mit jemandem Schluss gemacht, möchtest du entweder einfach deine Ruhe, um das ganze Drama zu verarbeiten – oder mit deinen besten Freund*innen durch die Nächte tanzen.

Wenn du verlassen worden bist, ist eh alles scheisse. Nach dem Schock kommt der Schmerz, der anfangs fast übermächtig erscheint. Nachdem du das Schlimmste überlebt hast, wird dich dein*e BFF schliesslich davon überzeugen, dass du sowieso zu gut für den Ex bist. Auf einem richtig guten Weg bist du dann, wenn dein Fazit zur Trennung «Good riddance!» lautet.

Ob sich diese Frischgetrennten nun stattdessen aneinanderklammern wie Baby-Äffchen, weil sie sich insgeheim noch lieben, oder weil sie eine masochistische Veranlagung haben, verstehe ich bis heute nicht. Wer will denn wirklich eine Woche nach Beziehungsende mit der Ex in den Ausgang, wo sie dann womöglich mit anderen flirtet?

Denn spätestens, wenn sie dann jemand Neues gefunden hat, knallts. Auf einen Schlag hört das herzige Freunde-Getue auf, und stattdessen macht sich Eifersucht breit. Mehrmals pro Woche laufen sie sich bei gemeinsamen Freunden über den Weg. Die Chemie zwischen den beiden ist deutlich spürbar, trotz dem, dass sie sich ständig anzicken. Sie streiten wie ein Paar, aber zusammen sind sie ja nicht. Und keiner der beiden würde sich jemals eingestehen, dass diese toxische Freundschaft so gar nicht freundschaftlich ist. Das ist doch Folter!

Soll das Reifheit demonstrieren? Soll es beweisen, dass man schon übereinander hinweg ist? Und wäre es denn wirklich erstrebenswert, nach einer Woche schon darüber hinweg zu sein?

Ich sage: Hört auf damit! Nicht nur euch selbst, sondern auch eurem Umfeld zu Liebe. Gebt zu, dass ihr nach dieser beschissenen, traurigen (aber wahrscheinlich nötigen) Trennung einfach Mal Abstand voneinander braucht. Dass eben nicht alles einfach locker-flockig ist. Dass ihr auch einen Monat danach noch nicht okay seid. Dass ihr lieber zu Hause bleibt, statt mit der Clique und dem Ex in die Stammbar zu gehen – auch wenn die Kollegen das etwas mühsam finden.

Gebt euch selbst eine richtige Verschnaufpause, bevor ihr der Ex ewige Freundschaft versprecht. Vielleicht verfliegt die Faszination an ihr ja doch noch.

- Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Emma-Louise Steiner

avatar
Emma-Louise Steiner

Gastautorin

Wir können auch Freunde sein!

Wir können auch Freunde sein!

That's it. Danke, dass du hier bist ♥