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Frauen sollten nicht rappen? Ich hoffe, sie tuns trotzdem

Warum «das ist Jungssache» aus unseren Köpfen verschwinden muss.

Silvia Princigalli
Freitag, 8. März 2019 / 17:58 Uhr

«Ich finde, Frauen sollten einfach nicht rappen», hallte es auf dem Trottoir hinter mir nach. Wer sagt so etwas Rückständiges? Der Übeltäter war ein etwa elfjähriger Junge, der seinem Vater auf dem Nachhauseweg von seinem Kosmos erzählte. Einem Kosmos, in dem Frauen eben nicht rappen sollen – weil es seiner Argumentation nach einfach blöd sei.

Ich bin der Meinung, dass man den Mund aufmachen muss, wenn einen etwas stört. Also sagte ich zum Vater: «Ich hoffe, dass Sie das korrigieren. Denn hier ist in der Erziehung etwas ziemlich schief gelaufen.» Zu meinem Erstaunen gab mir der Vater Recht. Folglich konfrontierte er seinen Sprössling mit der Gegenargumentation, dass Mädchen die gleichen Chancen haben dürfen wie die Jungen, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Der Junge blieb sprachlos. Ich bog mit einem Lächeln im Gesicht in die nächste Strasse ab.

Ein kurzer Moment, der mich dennoch länger beschäftigte. Woher kam diese Haltung? Wenn nicht vom Elternhaus selbst, dann wahrscheinlich aus der Schule. Waren seine Schulkameraden Schuld? Wurden diese wiederum von ihren Eltern, Geschwistern und Medien beeinflusst? Gab es zu wenig weibliche Vorbilder, die das Gegenteil bewiesen? Oder weshalb denkt ein kleiner Junge, dass Mädchen nicht dasselbe Recht haben sollten, Rap zu machen, wie es die Jungs tun?

Das Problem der Unterrepräsentation ist vielschichtig. Auf der einen Seite liegt es an den Plattenlabels, Programmverantwortlichen und Medienschaffenden, dass sie Frauen eine Plattform bieten. Dass sie diese als Headlinerinnen buchen, sie unter Vertrag nehmen, sie für die Titelstory porträtieren. Es gibt nämlich mehr als genug Musikerinnen, die dafür infrage kämen.

Auf der anderen Seite bleibt aber die Frage, wo die jungen, talentierten Sängerinnen, Bassistinnen und Rapperinnen geblieben sind? Was ist aus den Mädchen geworden, die dachten, alles werden zu können? Die gerne Gitarre spielten und im Gesangsunterricht die schönste Stimme hatten? Sind sie alle verstummt? Haben sie ihren Traum von der Musik verworfen? Vielleicht nur, weil ein Junge in der Schulklasse gesagt hat «ich finde Mädchen sollten nicht rappen»? Das macht mich verdammt wütend. Und das muss aufhören.

Denn in den Köpfen von Mädchen sollte keine Barrieren existieren. Und dafür braucht es Frauen, die den Weg ebnen. Als man in meiner Schule die erste Unihockeymannschaft zusammen stellte, war ich das einzige Mädchen in der Mannschaft. Und natürlich gab es blöde Sprüche. Unihockey soll nur etwas für Jungs sein? Das war mir egal. Drei Jahre später waren so viele Mädchen dazu gekommen, dass wir eine eigene Mädchenmannschaft bildeten. Vielleicht hatte ich tatsächlich den ersten Baustein gelegt, damit andere Mädchen nachkommen konnten.

Den ersten Schritt zu tun und die Muster zu durchbrechen, kann anstrengend sein. So fest, dass einem oftmals die Resignation zuwinkt. Doch wenn wir nicht mutig sind, wer dann?

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