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Feministin ja, Feminazi nein

Ich muss nicht ständig feministische Parolen schreien, um mich für die gleichberechtigte Stellung der Frau einzusetzen. Denn ja, ich bin Feministin, aber anders.

Silvia Princigalli
Freitag, 9. Februar 2018 / 17:20 Uhr

«Bist du auch so ein Feminazi?», was für eine dumme Frage. Eine, die ich öfter höre, seit ich bei izzy arbeite.

Klar interessiere ich mich für die Rechte der Frau, habe schon einen Artikel über deren historische Entwicklung geschrieben. Share, like, kommentiere Videos, Illustrationen, Fotos sowie Memes zu diesem Thema. Trage, wenn mir danach ist, meinen Girl-Gang-Pin oder mein Girl-Gang-T-Shirt. Hab mich für meine Abschlussarbeit durch Judith Butlers Diskurstheorien der Geschlechter gelesen und im Zuge der #metoo-Bewegung mit einem Bildpost auf Instagram zuerst mir selbst, dann der Öffentlichkeit gestanden, dass ich ebenso schon Opfer eines Übergriffs war.

Im vergangenen Jahr habe ich jedoch weder Plakate mit feministischen Leitsprüchen gebastelt, noch bin ich am Women’s March in Zürich an vorderster Front marschiert. Deshalb gibt es auch keinen rebellisch-historischen Schnappschuss von mir, den ich später stolz meinen Enkelinnen zeigen kann. Ich hatte Privates auf der Agenda, das mehr Priorität hatte. Ebenso gehöre ich keiner feministischen Organisation an und gehe selten an Events, die von Frauen nur für Frauen veranstaltet werden. Ich mag es nämlich, wenn es im Diskurs eine Durchmischung der Geschlechter gibt. Und wenn Männer ausgeschlossen werden – wir da unter Frauen im Geheimen sitzen und diskutieren – dann hat es für mich immer etwas Illegales. Das mag ich nicht. Als ob wir einen Geheimplan für den Niedergang des Patriarchats aushecken würden. Das ist nicht die Lösung. Dabei kommt mir gerade Laurie Penny in den Sinn. Die find ich irgendwie cool. Besonders ihren Badass-Vibe. Ich hatte jedoch nie das Bedürfnis sie nun persönlich an einer Lesung kennenzulernen. Deshalb bin ich aber keine schlechte Feministin. Zudem plädiere ich nicht für den Sturz des Patriarchats, sondern für eine Gleichstellung durch Aufwertung des Individuums. Das heisst, dass nicht andere ihre Rechte und Privilegien verlieren sollten, sondern diese allen ohne Vorbehalt zustehen. Equalism für uns alle!

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Feminismus ist heute einflussreicher und präsenter denn je. Wer sich 2018 nicht plakativ als Feministin outet, gilt nicht mehr als richtige Frau. Man hat dann sozusagen keine Meinung zum aktuellen Zeitgeschehen, ist eine Verräterin. Schon bald werden dir keine Tampons mehr verkauft.
Schlimmer finde ich es jedoch, wenn man unauthentisch Feminismus schreit – so tut, als ob man sich für den Stand der Frau interessiert und einsetzt, weil es gerade Trend ist. Weil sich mit der Aufschrift «Feminismus» eben alles verkaufen lässt – Zeitschriften, T-Shirts und Events, Musik und Filme. Im Alltag habe ich schon erlebt, dass solche «Vorzeige»-Feministinnen oftmals anderen Frauen ein Bein auf der Berufslaufbahn stellen, selbst zuhause in einer dominant patriarchalischen Beziehung mit ihrem Partner festsitzen und über Frauen lästern, die sich in einem freizügigen Look zeigen. Dabei zwar Feminismus schreien, selbst aber keine Eierstöcke besitzen, um diesen mit jedem Atemzug zu erleben.

Deshalb lasse ich lieber mal ein #Girlpower unter einem Foto weg, sage einem Mann an der Bar allerdings direkt, wenn er seine Pfoten von mir lassen soll oder wenn ich meine Shots selbst bezahlen möchte. Wenn mir jemand respektlos – wie einem Hund – nachpfeift, stelle ich ihn zur Rede, ob es umgekehrt genauso lustig wäre? In einer Beziehung stelle ich von Anfang an klar, dass wir uns nur auf gleicher Augenhöhe lieben können. Wenn ich merke, dass ich aufgrund meines Geschlechts weniger respektvoll behandelt werde oder mich jemand gar «Schätzchen» nennt, baff ich ihn dermassen an, dass er für einen Moment vergisst, dass es überhaupt verschiedene Geschlechter gibt. Respekt muss man sich nämlich nicht anhand seines Geschlechts, seiner äusseren Merkmale oder seiner Zugehörigkeit verdienen. Diese ist jedem ohne Grund zu gleichem Masse gegeben, deshalb sollten wir uns auch so begegnen. Jeden Tag. Das ist meine Art von Feminismus.

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Silvia Princigalli

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