Teilen
Senden
Twittern

Die Amokfahrer auf den Zürcher Velowegen

Noch bin ich überzeugter Velofahrer. Doch die Skrupellosigkeit und Todessehnsucht, die ich von Radlern auf den Zürcher Strassen und Velowegen erlebe, lassen mich meine Haltung überdenken.

Lorenz König
Montag, 12. Februar 2018 / 18:30 Uhr

Morgens gehe ich jeweils zu Fuss zur Arbeit. Ich spaziere durch das behagliche Zürcher Enge-Quartier Richtung Bellevue, während der Tag um mich herum erwacht. Doch kaum erreiche ich die Seepromenade, schalten meine schlafdurchtränkten Sinne in den Überlebensmodus. Denn aus dem gemütlichen Spaziergang wird ein Himmelfahrtskommando. Links von mir schiessen Velofahrerinnen und Velofahrer auf ihren E-Bikes oder herkömmlichen Drahteseln vorbei. Dabei wetteifern sie nicht nur darum, wer die oder der Schnellste ist, sondern auch, wer mit dem geringsten Abstand an mir vorbeirasen kann. Ich fühle mich wie inmitten eines Fahrradrennens und das, obwohl ich auf der Fussgängerseite gehe.

Auch wenn ich das Velo benutze, erlebe ich die Kamikazefahrer auf zwei Rädern. Stehe ich an der Ampel, huschen sie von allen Seiten an mir vorbei. Nur eine Haaresbreite entfernt. Eine Kollision mit den Autos auf der Kreuzung vor mir nehmen sie anscheinend in Kauf.

Mit Tunnelblick Richtung Zielort

Nicht nur die Velofahrerinnen und Velofahrer wüten in Zürich. Hier tobt der ewig währende Kampf zwischen Autofahrern, Fussgängern und Velofahrern um jeden Quadratmeter Asphalt besonders heftig. Autofahrerinnen und Autofahrer verwechseln ihre SUVs hier gerne mit Panzern und rollen dabei über Velowege, Trottoirs oder Fussgängerstreifen. Dennoch ist das Verhalten der Radlerinnen und Radler hier besonders auffällig. Wenn die Zürcherinnen und Zürcher auf ihr Velo steigen, lassen sie jeglichen Sinn für Gefahr zuhause liegen. Sie nehmen Opfer in Kauf und setzen ihr Leben aufs Spiel. Das Einzige, das zählt, ist das schnellstmögliche Erreichen des Zielortes — rote Ampeln, Rechte für Autos und Passanten sowie sämtliche Verkehrsregeln werden für sie bedeutungslos.

Newsletter abonnieren

Das Beste aus der izzy-Redaktion – direkt in dein Postfach.

Vielen Dank! ♥ Du hörst bald von uns.

Du hast dich bereits registriert! ♥ Ab Januar erhältst du unseren Newsletter.

Oh oh.., Versuche es erneut!

Tummelplatz lebensmüder Rennfahrer

Fairerweise muss ich gestehen, dass die Zürcher Verkehrssituation zum gefährlichen Strassen-Rambazamba beiträgt. Die Velowege hier sind keine weiterführenden Fahrbahnen, sondern Flickwerke, die meistens nach wenigen Metern in einer Sackgasse enden. Im weltweiten Ranking der Velostädte (Copenhagen Index) taucht Zürich erst gar nicht auf. Sogar Winterthur und Bern haben bessere Velorouten-Netze.

Das problematische Veloweg-Netz hält die Zürcherinnen und Zürcher allerdings nicht davon ab, weiterhin durch die Stadt zu wüten und schwere Konsequenzen in Kauf zu nehmen. 2016 sind in der Stadt Zürich mehr Velofahrerinnen und Velofahrer verunfallt, obwohl weniger Velo gefahren wird. Bei zwei von drei Unfällen sind sie selbst schuld.

Velofahren lernt man, im Gegensatz zum Autofahren, früh. Doch deswegen ist es nicht weniger gefährlich im täglichen Verkehr. Mein Fahrverhalten hat sich radikal geändert, als ich die Autoprüfung gemacht habe. Bei aller Freundschaft, liebe Radler-Genossinnen und -Genossen: Früher hatte ich Angst davor, von einem Auto umgenietet zu werden. Heute fürchte ich mich in erster Linie vor euch.

avatar
Lorenz König

Basler Wahlzürcher

Wir können auch Freunde sein!

Wir können auch Freunde sein!

That's it. Danke, dass du hier bist ♥